15.02.2006
Potsdam. Der Mittelstand in Brandenburg startet in das neue Jahr
mit verhaltenem Optimismus. Darauf wies der
Landesgeschäftsführer des BVMW in Berlin-Brandenburg, Dr. Dieter
Kapell, am Mittwoch anlässlich der Vorstellung des Marburger
Mittelstandsbarometers in Potsdam hin. „Die Ergebnisse des
Mittelstandsbarometers für das Land Brandenburg deuten auf einen
Stimmungswechsel hin. Die Erwartungen an die Politik sind hoch.
Die Orientierung des Landes auf Schwerpunktbranchen und
Entwicklungskerne schließt die KMU nicht aus der Förderung aus
und eröffnet zugleich gerade kleineren Unternehmen neue Chancen“,
so Dr. Kapell.
Eigens aus Marburg an die Havel war Professor Dr. Michael
Lingenfelder, Leiter der Forschungsstelle Mittelstand an der
Philipps-Universität Marburg, gekommen. „Wenn wir das
drängendste Problem der Gesellschaft lösen wollen, geht das nur
mit dem Mittelstand“, betonte der Wirtschaftswissenschaftler. 90
Prozent der Arbeitsplätze in Brandenburg werden durch
mittelständische Betriebe gestellt. „Deshalb muss der
Mittelstand zu einem Jobmotor werden.“
Voraussetzung dafür sind jedoch eine berechenbare und
verlässliche Mittelstandspolitik, ein Abbau der Bürokratie und
die Schaffung verträglicher Rahmenbedingungen. Die Bereitschaft
zu Investitionen von Seiten der mittelständischen Unternehmer
hängt neben den harten Fakten der Geschäftslage wesentlich vom
Gründungsklima und dem Bild des Unternehmers in der
Öffentlichkeit ab. „Ich wünschte mir, dass die Unternehmer in
ihrer Gesamtheit in Deutschland wieder als Leistungsträger der
Gesellschaft betrachtet werden“, so Professor Lingenfelder.
Zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen in Brandenburg
wollen ihre Beschäftigtenzahl in diesem Jahr halten. 18 Prozent
beabsichtigen eine Aufstockung ihrer Belegschaft, 16 Prozent
rechnen mit einem Arbeitskräfteabbau. Im Vergleich mit den
anderen Bundesländern belegt Brandenburg bessere Plätze als im
Vorjahr in den Bereichen Gründungsklima, Freude am Unternehmertum
und Geschäftslage. Auch die Sorge vor wachsender Konkurrenz aus
der erweiterten Europäischen Union fällt geringer aus als in
zahlreichen anderen Bundesländern. Besonders positiv hob
Professor Lingenfelder den von Brandenburg eingeschlagen Weg einer
„clusterorientierten regionalen Verzahnung“ hervor, „wenn
der Mittelstand in diesen Prozess wirksam integriert wird“.
Besorgnis erregend hingegen ist das Ausbildungsniveau der
Nachwuchskräfte. „Auch in Brandenburg muss auf diesem Gebiet
etwas passieren“, fordern Dr. Kapell und Professor Lingenfelder.
Der BVMW Berlin-Brandenburg hat deshalb in den vergangenen drei
Jahren mehrere Partnerschaften zwischen Mittelstand und Schulen
ins Leben gerufen. Der Potsdamer Unternehmer Christoph Miethke
beklagte einen deutlichen Bruch zwischen „Schule“ und „Leben“.
„Die Schule sollte Lust auf das Leben und das
eigenverantwortliche Gestalten vermitteln. Das geschieht viel
zuwenig.“ Beurteilungen und Zeugnisse sagen selten etwas
darüber aus, was Menschen wirklich können.
Dr. Kapell warnte nachdrücklich vor der geplanten Erhöhung der
Mehrwertsteuer um drei Prozent. „Die Folgen wären verheerend
für Unternehmen, die direkt vom Endverbraucher abhängig und von
einem Rückgang der Konsumtion unmittelbar betroffen sind.“
Das Marburger Mittelstandsbarometer wird jährlich durch die vom
BVMW getragene Forschungsstelle Mittelstand der
Philpps-Universität Marburg erstellt und zeigt Trends und
Tendenzen in der Wirtschaft aus der Sicht mittelständischer
Unternehmer. Dazu wurden 2005 bundesweit 2228 Fragebögen
ausgewertet, davon 186 aus dem Land Brandenburg.
Der Landesverband Berlin-Brandenburg des BVMW hat 2000
Vollservice-Mitglieder, davon rund 1500 im Land Brandenburg.
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