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Euro-Falschgeld ist im Land Brandenburg kein Thema mehr
Ein etablierter Treffpunkt für erfolgreiche BVMW-Mitglieder der Region Potsdam ist der Salon Orenstein. Hier treffen sich die Inhaber und Vorstände größerer Unternehmen in intimer Runde im Schlosshotel Cecilienhof zum Informationsaustausch und feinem Essen. Jeder Salon-Abend steht unter einem Thema, das ein kompetenter Ehrengast unterhaltsam präsentiert.
Bei wunderbarem Sommerabend-Wetter fand der achte Salon als Barbecue auf den Schlossterrassen mit Blick in den Neuen Garten statt. Bundesbankoberinspektor Horko Boden, Falschgeldspezialist der Potsdamer Filiale der Bundesbank, informierte die Unternehmer unter dem Thema „Keine Blüte bleibt unerkannt“ zur Situation von Falschgeld im Land Brandenburg. Die Eurobanknote sei besser gegen Nachahmungen geschützt, als es gemeinhin angenommen werde. Zur Zeit komme im täglichen Bargeldverkehr ein gefälschter Schein auf 10.000 echte Banknoten. Zu etwa 75 Prozent ist dieses Falschgeld ein 50-Euro-Schein. Falsche 100, 200 oder 500 Euro-Note seien sehr selten. „Die Geldprüfmaschinen der Bundesbank haben bisher jeden falschen Schein gefunden und aus dem Verkehr gezogen“, versichert Horko Boden. Das sei vor allem deshalb möglich, weil einige Sicherheitsmerkmale so geheim gehalten werden, das sie den Fälschern unbekannt bleiben und demzufolge nicht nachgemacht werden. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit würden auch die Automaten der Geldinstitute Falschgeld entdecken. Deshalb reiche es in der Praxis aus, große Bargeldmengen, die zum Beispiel bei Autokäufen den Besitzer wechseln, während der Übergabe im Beisein beider Geschäftspartner, durch einen Bankautomaten prüfen zu lassen. „Viele Unternehmen mit einem hohen Bargeldaufkommen verzichten im Interesse einer raschen Kundenabfertigung auf zeitintensive Überprüfungen der Geldscheine und dem Einsatz hochwertiger Prüfmaschinen. Der Verlust durch wenige falsche Schein wird in Kauf genommen. Die Prüfung mit UV-Licht oder Markern an den Kassen der Märkte dient eher der Abschreckung der Falschgeldausgeber. Professionelle Fälscher amen diese Prüfmerkmale perfekt nach.“, berichtet Horko Boden. Dabei reicht er ein gutes Dutzend „Fünfziger“ über den Tisch, darunter viele falsche Scheine. Kaum eine der Fälschungen wird von den Unternehmern mit Sicherheit erkannt. „Der Schein fasst sich komisch an, doch ist er deshalb falsch?“ bemerkt ein Gast des Salons. Der Falschgeldexperte bestätigt dessen Eindruck: „Die meisten Fälschungen werden durch diejenigen, die ständig Umgang mit Geldscheinen haben, beim Greifen des Geldes erkannt, denn Falschgeld fasst sich fast immer anders an. Besteht nach dieser subjektiven „Griffprobe“ Zweifel an der Echtheit, werden andere Sicherheitsmerkmale überprüft. Während die vermeintlich nur schwer zu fälschenden Wasserzeichen recht gut nachgeahmt werden, gibt es bisher keinen falschen Schein, auf dem auch die mit dem Fingernagel deutlich fühlbare Riffelung der kleinen grundfarbenen Fläche links neben der großen Zahl des Eurowertes nachgeahmt wurde“, verrät der Oberinspektor. Anhand dieses bisher offiziell nicht bekannt gemachten Merkmales werden letztlich alle falschen Fufziger, die der Experte über den Tisch gereicht hatte, sicher erkannt und von den echten Scheinen unterschieden. Auf noch ein leicht anzuwendendes Prüfmerkmal für verdächtige „Fünfziger“ wies der Falschgeldexperte hin: „Den Farbumschlag der rechts unten befindlichen Ziffer 50 von Violet auf Grün beim Kippen für unterschiedlich Lichteinfall können derzeit die Fälscher nicht nachahmen“.
Woher das Falschgeld stammt? Traditionell aus Südeuropa, doch derzeit kämen die besten Blüten aus den baltischen Ländern, vor allem aus
Litauen. Die Fahnder vermuten, dass dorthin nach der Wende und später mit der Abschaffung der Vor-Euro-Währungen viele Druckmaschinen zur Herstellung von Geld gelangt sind und manch ausscheidender Druck-Fachmann zum Fälscher wurde.
Horko Boden hofft, dass trotz starker Personalreduzierung in den Bereichen der Bundesbank und der Schließung vieler Niederlassungen (ehemaligen Landeszentralbanken) das Monopol zur Kontrolle über das Münzgeld und die Scheine beim Staat bleibt. Nur so könne gewährleistet werden, dass die Kontrollmechanismen dem Können der Geldfälscher stets einen Schritt voraus seien. „Meine Herrn, nehmen Sie unbesorgt Bargeld ein und bezahlen Sie damit. Euro-Falschgeld ist in unserer Region kein Thema mehr und wird Sie nicht ruinieren.“ So beendete der Beamte seine Präsentation um im persönlichen Gespräch am Abend noch viele Fragen zu beantworten. Als er seine „falschen Fufziger“ wieder einpackte, stellte er fest, das ein neuer Schein hinzugekommen war. Von wem aus der kleinen Runde? Horko Boden fragte nicht nach, denn bereits der Besitz von Falschgeld ist strafbar und die gute Stimmung des Salons sollte keinesfalls getrübt werden. Dafür bot er den 18 anwesenden Unternehmern an, gern in ihren Betrieben mit den „Kassenleuten“ eine kostenfreie Schulung zum Erkennen von Falschgeld durchzuführen. Dieser Service ist über den Direktor der
Filiale Potsdam, Herrn Bundesbankoberrat Gerald Goldmann, Tel. 0331 2764103 buchbar.
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